Konsumwahn vs. Konsumbewusstsein

Konsumwahn vs. Konsumbewusstsein

Viele haben sie schon im Schrank und viel mehr sollen wir noch kaufen: Wegwerfmode für eine Saison von Primark. In den vergangenen Tagen diskutierten viele Medien erneut die Geschäftspolitik des irischen Textilriesen, der eine Innenstadt nach der anderen in Deutschland erobert. In dieser Kolumne Konsumwahn vs. Konsumbewusstsein diskutiere ich mit, als konsumgetriebenes Mitglied dieser Gesellschaft.

Ja, ich höre Euch schon sagen: Ich kauf das nie wieder was! Unverschämt, wie die mit ihren Mitarbeitern umgehen. Sklaventreiber. Diesen billigen Mist brauch‘ ich eh nicht. Ich kaufe jetzt nur noch Qualität. Doch wie lange mag diese neue Überzeugung anhalten? Ich verspreche, bis zum nächsten knappen Monat, der neuen schicken Kollektion für so kleines Geld und bis zum nächsten Sale.

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Im Grunde beißt sich die Katze doch in den Schwanz: Wir, die Konsumenten, wollen Kleidung für möglichst wenig Geld, denn jeder Trend will mitgemacht werden und im Kleiderschrank ist noch Platz. Auf den Plakaten, in den Modezeitschriften und in der Werbung sieht ja auch alles so toll aus und das Teil, der Schuh oder die Tasche sind grade jetzt mega angesagt! Es wird demnach super günstig produziert: in fernen Ländern, von kleinen Händen zum Dumpingpreis und ab nach Europa. Gespart wird natürlich am Personal. Viele Aushilfsjobber, Teilzeit- und befristete Verträge und so viele Klamotten wie nur möglich müssen auf der Ladenfläche angepriesen werden. Die hungrige Meute wartet schon auf die neuen Schnäppchen.

Wagt man den mutigen Schritt an einem Samstag in die Kölner Primark Filiale, fragt man sich, tue ich mir das jetzt wirklich an oder mache ich auf dem Absatz kehrt? Menschen über Menschen schleppen die übervollen Taschen über den Boden hinter sich her. An den Wühltischen mit reduzierter Ware herrscht aggressive Stimmung, als wenn man um ein paar Lebensmittel zum Überleben kämpfen würde. Wo ist die Wertschätzung, Respekt und sozialer Umgang mit den Mitmenschen? Wir werfen unsere gute Kinderstube für ein Paar 5 € Jeans vor dem Eingang der Filiale weg.

Doch was zieht uns an? Was lässt uns diesen Krampf und Stress durchstehen? Die Sucht nach mehr! Eine neue Jeans, das fünfte Shirt mit Aufdruck und eine Statement Kette geht immer, genauso wie ein Paket Strings. Eigentlich brauche ich es nicht, aber hey für 3 € muss ich das Teil doch mitnehmen, oder? Wir sind wahrlich einem Konsumwahn verfallen. Jeder mit normalem Menschenverstand weiß, dass diese Mode nur so günstig angeboten werden kann, wenn an vielen anderen Stellen massiv eingespart werden muss. Das Dilemma wiederholt sich unaufhörlich, denn wenn ich es nun dran gebe, bei Primark zu kaufen, werden es die vielen, vielen Anderen nicht tun. Der Massenkonsum lässt sich auch in Sachen Kleidung nur schwer stoppen. Nur mein eigenes Gewissen kann ich beruhigen, indem ich auf Billigware jeder Art verzichte.

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Quelle: Pinterest

Die Verlockung ist dennoch groß. Die Massenhersteller haben ein sehr gutes Gespür dafür, welche Designertasche und welches Haute Couture Kleid als Vorbild dienen muss, damit die Ottonormalkäuferin drauf abfährt und sich freut, dass sie eine Handtasche für 15 € kaufen kann, die wie das teure Modell von 1.500 € aussieht. Ganz nach dem Motto: Stil für die Mittel- und Unterschicht. Denn jene, die sich die ganz großen Marken von Louis Vuitton, Chanel über Dior leisten können, macht den kleinsten Teil unserer Gesellschaft aus. Und dennoch wollen wir die edlen Stücke genauso besitzen!

Ich frage mich, wo hört dieser Konsumwahn auf und wann kehrt unser realistisches Konsumbewusstsein wieder? So höre und lese ich immer wieder, ich kaufe mir diesmal lieber weniger, dafür aber Besseres. Man kann nur hoffen, dass das irgendwann bei uns allen funktioniert. Auch in meinem Kleiderschrank finden sich (leider) viele Teile von Primark. Der Drang für kleines Geld top gestylt und trendy angezogen zu sein, hat mich so manches Mal in den Konsumwahn getrieben. Eine Handtasche für 400 € und die Chanel Slipper für 600 € kann ich mir nämlich nicht mal eben so leisten. Und wenn ich es kann, will sie niemand mehr sehen. Durchaus eine Zwickmühle.

Neben dem aktuellen Buhmann der Modebranche sind viele weitere Marken schon in die Kritik geraten und es werden sicher weitere folgen. Uns treibt die Gier nach ganz viel Fashion zu günstigen Preisen und sie treibt die Profitgier durch höhere Margen. Solange Du und ich unsere Mode zukünftig nicht selber nähen und unsere Hühner selber halten, werden wir auf den Massenkonsum angewiesen sein und die schlechten Bedingungen dulden und unterstützen.

Habt Ihr Euch schon einmal mit Eurem Konsumverhalten auseinandergesetzt? Wie oft verfallt Ihr den Verlockungen günstiger Preise? Wo setzt Ihr auf konsequente Nachhaltigkeit? Ich freu mich, wenn wir zu diesem wichtigen Thema diskutieren!

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Sara Weißenfeld bloggt seit 2014 als missesviolet und startete im August 2018 außerdem mit ihrem Curvy Fashion & Lifestyle Kanal auf YouTube. Sara lebt mit ihrem Freund und DIY-YouTuber Dan und ihren zwei Hunden in Köln. Auf missesviolet.com dreht sich alles um Curvy Fashion, Beauty, Interior und Lifestyle - Viel Spaß beim Stöbern!

COMMENTS

  • 12. Mai 2015
  • 2. März 2015

    Der Artikel ist wirklich toll – und so wahr! Ich kaufe gar nicht bei Primark – dafür aber bei H&M. Ich leiste mir auch mal (selten) ein teures Designerstück. Aber ich kaufe nicht in Massen. Und einen Aspekt finde ich noch wichtig: Es ist wie bei Lebensmitteln – teuer heißt auch nicht zwingend besser (oder unter besseren Bedingungen). Man sollte generell einfach versuchen, sich zu informieren, woher und unter welchen Bedingungen die Kleidung kommt und sich dementsprechend öfter mal das ins Gewissen rufen. Wie oft kaufen wir Dinge, die wir dann doch nicht brauchen/wollen usw. – also lieber sorgfältig auswählen und lange Freude daran haben, als jeden Trend mitmachen und im Überfluss kaufen & leben. Das tut unserem Konto dann auch mal gut und lässt noch Luft für wirklich schöne Dinge wie Kino, Kaffee&Kuchen mit der besten Freundin, Billard spielen & co. Darüber freuen wir uns nämlich im Grunde noch viel mehr als über ein 3-Euro Teil 🙂 LG Daisy http://www.daisys-diary.de

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